Partnerwahl & Vergesellschaftung

Partnerwahl

Partnerwahl

Generell passen ein Weibchen und ein kastriertes Männchen am besten zusammen. Gleichgeschlechtliche Partner kriegen sich häufig in die Haare, nur in Einzelfällen funktioniert so eine Haltung problemlos. Zwei (unkastrierte) Männchen sollte man aber nicht zusammen halten. Auch wenn sich die Tiere von Geburt an kennen und sich gut vertragen, kann der Frieden jederzeit durch heftige Rangordnungskämpfe unterbrochen werden, meist ist das nur eine Frage der Zeit. Eine Kaninchengruppe von mehreren Tieren hingegen funktioniert in den meisten Fällen sehr gut. Dabei hat es sich bewährt eine gerade Anzahl an Tieren zu halten (z.B. 2 Weibchen und 2 Männchen). Das kommt aber immer auch auf die Charaktere der Tiere an.

Ganz wichtig ist natürlich auch die Persönlichkeit eines Kaninchens. So passen z.B. zwei sehr dominante Tiere weniger gut zusammen, als ein dominantes und ein zurückhaltendes Tier. Auch das Alter kann eine große Rolle dabei spielen, so empfinden z.B. ältere Tiere die Jungen als nervig, wenn sie die ganze Zeit durchs Gehege springen, aber auch umgekehrt, sodass sich junge Tiere in Gegenwart von alten Tieren schnell gelangweilt fühlen, wenn diese hauptsächlich ruhig sind und mehr schlafen, weil einfach nicht dieselben Interessen vorhanden sind.

Sollte man also auf der Suche nach einen geeigneten Partner für sein Heimtier sein, empfiehlt es sich das eigene Kaninchen zuerst gut kennen zulernen und zu wissen, welche Eigenschaften es besitzt, wie alt es ist, und wie es sich generell verhält. In Tierheimen wird man z.B. sehr gut über ein mögliches passendes Tier informiert. Du hast das Gefühl ein passendes Partnertier gefunden zu haben? Dann ran an die Vergesellschaftung!

Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung (VG) oder auch Zusammenführung bezeichnet das Kennenlernen von zwei oder mehreren sich fremden Kaninchen.

Achtung! Auf gar keinen Fall sollte man…

…ein neues Kaninchen sofort in das Gehege des vorhandenen Tieres setzen! Das Revier wird dann sofort verteidigt und es kann zu großen Aggressionen und Verletzungen kommen!

…Kaninchen unter 4 Monaten mit Älteren vergesellschaften. Die Jungen haben noch dünnere Haut, was schneller zu Verletzungen führt. Außerdem können sie sich noch nicht richtig verteidigen.

…sich auf den Verkäufer des Tieres verlassen, was das Geschlecht betrifft. Lieber vorher nochmal nachsehen oder den Tierarzt fragen, damit ungewollter Nachwuchs verhindert wird.

…frisch kastrierte Männchen innerhalb von 6 Wochen mit einem Weibchen zusammenführen. Rammler können in dieser Zeit immer noch zeugungsfähig sein. Sicherheitshalber erst nach der 6. Woche vergesellschaften.

Vorbereitung

Ganz wichtig: Die zu vergesellschafteten Kaninchen dürfen sich vor der VG weder sehen noch riechen, da das Aggressionen hervorrufen kann.

Der passende Ort

Kaninchen sollten sich in einem neutralen Raum begegnen, den die sie noch nicht kennen. Das ist wichtig, da sonst Gerüche eines Kaninchens vorhanden sind, die die VG negativ beeinflussen können. Das Gehege sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein, sodass sich die Kaninchen einerseits über den Weg laufen müssen, sich anderseits aber auch ein wenig aus dem Weg gehen können. (Z.B. Badezimmer, Vorzimmer etc.)

Einrichtung

Mehrere Wasserschüsseln, Heuraufen, Toiletten und Häuser müssen im Gehege an verschiedenen Stellen aufgestellt werden und Gemüse verteilt werden. Alle Häuser und andere Unterkünfte zum Verstecken müssen mehrere Ausgänge haben, da die Kaninchen sonst nicht fliehen können, wenn sie hineingedrängt werden. Auf Teppichen haben Kaninchenpfoten mehr Halt wenn sie laufen müssen.

Auf „Los“ geht’s los!

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Quelle: kaninchenwiese.de

Beide Kaninchen werden zeitgleich in das Gehege gesetzt. Zunächst werden sie sich wahrscheinlich gründlich umsehen, alles beschnuppern und mit dem Kinn markieren. Sobald sie sich zum ersten Mal begegnen, wird es meistens stressig: Die Kaninchen jagen sich hinterher, versuchen sich zu beißen, berammeln sich von allen Seiten, und können sogar dabei fauchen oder knurren. Bei der ganzen Aufregung vergessen stubenreine Kaninchen oft ihre guten Manieren, das hat aber nichts mit „Verlernen“ zu tun. Sie sind im Moment einfach nur zu gestresst dazu.

Meistens sieht dieses Jagen und Kämpfen schlimmer aus, als es ist. Der Mensch sollte bei diesen Rangeleien nicht dazwischen gehen, da die Rangordnung so nicht geklärt werden kann, und das die Tiere unnötig aggressiv machen kann. Als Faustregel kann man sagen: Solange sich Kaninchen nicht ineinander verbeißen oder Blut fließt, sollte man nicht eingreifen. Meist sieht es schlimmer aus, als es ist.

Es kann natürlich auch vorkommen, dass einem das Ganze erspart wird. Manche Kaninchen gehen mit so einer Situation ganz friedlich um. Sie laufen sich zwar eine Weile hinterher, liegen aber bereits  nach ein paar Stunden liebevoll nebeneinander.

Jetzt heißt es abwarten

Auf jeden Fall sollte man sich für die VG Zeit nehmen, am besten über ein Wochenende oder im Urlaub. Generell ist es besser die Kaninchen alleine zu lassen, damit sie sich durch den Menschen nicht gestört fühlen. Trotzdem sollte man immer wieder in das Zimmer hineinschauen, ob alles in Ordnung ist. Achte darauf, dass Futter an mehreren Stellen bereit liegt und jeder zum Fressen kommt.

Die Kaninchen müssen eine klare Rangordnung herstellen, das kann entweder ein paar Tage, in manchen Fällen aber auch Wochen dauern.

Am nächsten Tag kann der Blick in das Vergesellschaftungszimmer ziemlich erschreckend aussehen. Durch das Hinterherjagen werden oft Wasserschüsseln und Heubehältnisse umgeworfen, vermutlich wird überall Kot liegen und auch einige Fellbüschel werden zu sehen sein. Einfach immer wieder alles neu aufbauen und immer wieder neues Futter reichen.

Auch wenn nach einigen Tagen immer noch keine Ruhe herrscht und sie sich wild hinterherjagen: Lass den Kaninchen unbedingt noch mehr Zeit und trenne sie nicht, auch nicht über Nacht! Die VG muss bis zum Ende durchgeführt werden. Trennt man die Tiere vorzeitig, weil man ihnen den zunehmenden Stress ersparen will, tut man ihnen dabei nichts Gutes. Die wilde Jagd hat nichts mit Unverträglichkeit oder Aggression zu tun, das ist ein völlig normales Verhalten um die Rangordnung zu bestimmen.

Erfolg

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Beisammen liegen und kuscheln sind schon mal sehr gute Zeichen.

Erfolgreiche Vergesellschaftungen sind dann geglückt, wenn alle Kaninchen ruhig und entspannt zum Futternapf hoppeln und nebeneinander fressen. Wenn sie dann noch miteinander kuscheln, war die VG ein Erfolg.

Jetzt können die Tiere in das ursprüngliche Gehege zurückkehren bzw. in das neue Gehege einziehen. Beim Umzug kann es durchaus nochmal zu Streitigkeiten kommen, diese sollten sich aber bald legen.

Hilfreich kann es auch sein, wenn man allen Kaninchen gleich viel Aufmerksamkeit schenkt. So fühlen sie sich nicht vernachlässigt und alle sind zufrieden.

TIPP: Eine Methode die ebenfalls helfen kann, aber etwas umstritten ist: Bei einer längeren VG, in der sich die Tiere nicht zusammenraufen wollen, kann man beide in eine Transportbox setzen. Der Platz ist so eng, sodass sie dicht nebeneinander sitzen. Mit der Box einfach ein paar Minuten spazieren gehen, oder ihn auf die eingeschaltete Waschmaschine stellen. Durch die Angst vergessen die Kaninchen oftmals ihre Auseinandersetzungen und gewöhnen sich schneller aneinander. Der Leitsatz: Angst schweißt zusammen! Diese Methode ist natürlich etwas umstritten, da viele Tierhalter der Meinung sind, dass eine VG ohne Angst abzulaufen hat. Doch solange den Tieren dabei nichts passiert, und sie nach einiger Zeit wieder in das Gehege zurückkehren, kann diese Anwendung aber durchaus hilfreich sein, und hat schon bei vielen (schwierigeren) Vergesellschaftungen geholfen!

Kein Erfolg

Wenn sich die Tiere allerdings nach längerer Zeit immer noch ineinander verbeißen und sichtbar Aggressionen gegeneinander schüren, sollte man die VG abbrechen, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Es gibt einfach auch Kaninchen, die sich nicht leiden können und nicht zueinander passen. Dann sollte das neue Tier wenn möglich durch ein anderes ausgetauscht werden, mit dem sich das eigene Kaninchen eventuell besser versteht.

Im Übrigen ist es ein Irrglaube, dass es unverträgliche Kaninchen gibt. Für jedes Kaninchen wird irgendwann der richtige Partner dabei sein. 🙂

Andere VG-Methoden

Eine andere Weise sich fremde Kaninchen aneinander zu gewöhnen, wäre der vorzeitige Sicht- und Riechkontakt. Man stellt die Gehege zweier Kaninchen für einige Zeit direkt nebeneinander, sodass sie sich zwischen den Gittern riechen, sehen und hören können. Wenn sich die Kaninchen freundlich und aufmerksam am Gitter beschnuppern, kann diese Art der VG funktionieren. Nach einiger Zeit können die Tiere dann zusammen gehalten werden, ohne dass heftige Streitereien stattfinden. Das ist jedoch leider eher die Ausnahme. Denn oftmals schürt das bei vielen Kaninchen noch mehr Aggression, sodass sie sich bereits mit dem Gitter dazwischen bekämpfen wollen. Diese Methode der langsamen Annäherung klappt leider nur recht selten.

Bei Tierarztbesuchen oder Krankheit

Wenn es bereits ein gemeinsam lebendes Kaninchenpaar gibt, ist es immer ratsam dieses nicht zu trennen, nicht einmal für kurze Zeit. Bei Tierarztbesuchen können deshalb auch beide Kaninchen mitgenommen werden, damit sich das zu behandelnde Tier nicht so alleine fühlt und weniger Angst hat. Bei ein paar Stunden macht es den Tieren wenig aus, problematisch wird es aber bereits wenn sie einen Tag lang getrennt sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Tiere zumindest kurz jagen werden, und sich von oben bis unten beschnuppern.

Ist eines der Tiere krank, sollte man mit dem Tierarzt abklären, ob es möglich ist die beiden Tiere trotzdem zusammen zu halten. Es ist erwiesen, dass kranke Tiere sich schneller und besser erholen, wenn sie weiterhin bei ihrem Partner wohnen können. Auch eine vorübergehende Trennung durch ein Gitter ist immer noch besser, als die beiden komplett voneinander zu trennen. Wenn sich die Kaninchen über mehrere Tage nicht sehen, kann es leicht passieren, dass sie wieder aufeinander losgehen, und es zu einer erneuten Klärung der Rangordnung kommt. Nicht nur für uns Menschen ist das mühsam, auch für das erkrankte Kaninchen ist es anstrengend sich von der Krankheit zu erholen und gleichzeitig erneute Kämpfe austragen zu müssen. Besser also man trennt die Partnertiere nicht.

Noch Fragen? Oder fehlt etwas? Sende uns eine Mail an info@kaninchenplatz.at !