Negative Verhaltensweisen

Kaninchen haben so ihre Eigenheiten und jedes Tier ist anders, genau wie wir Menschen.

Gewisse Verhaltensmerkmale fallen uns jedoch negativ auf. Manche davon sind ganz natürlich, bei anderen steckt etwas mehr dahinter. Fast alle Verhaltensweisen lassen sich auf etwas zurückführen. Außerdem unterscheiden wir das Problem, welches für das Kaninchen an sich normal ist, doch uns als Halter stört, und die Störung, welche nicht natürlich ist und unbedingt beachtet werden muss.
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Verhaltensstörungen

|| Das Kaninchen leckt oder beißt sich selbst blutig ||

Kaninchen, die sich selbst oder anderen Kaninchen absichtlich Schaden zufügen (und zwar nicht während einer Vergesellschaftung oder im Stress) leiden an einer Verhaltensstörung und sind frustriert und unglücklich. Das kann viele Ursachen haben:

  • zu wenig Platz / Freilaufmöglichkeiten (–> das Gehege ausbauen!)
  • zu wenig zum Knabbern (–> mehrere Knabbermöglichkeiten anbieten!)
  • der falsche Untergrund (–> Einstreu wechseln!)
  • Einzelhaltung und dadurch entstehende Einsamkeit (–> ein Partnertier!)
  • ein absolut ungeeignetes Partnertier (–> neue Vergesellschaftung/Wechsel!)
  • sexuelles Verlangen (–> den Tierarzt über die Kastration befragen!)
  • Fütterung (–> abwechslungsreich & richtig füttern!)
  • Krankheit (–> Tierarzt!)
  • Stress (–> Abklärung & Änderung der Umstände!)
  • Langeweile (–> Abwechslung muss her!)

Auf jeden Fall sollte zusätzlich zur Änderung ein Tierarzt um Rat gefragt werden, der vielleicht noch weitere Möglichkeiten einer Verbesserung sieht und den Halter am besten beraten kann.

 

|| Das Kaninchen knabbert am Käfiggitter ||

Mit ziemlicher Sicherheit können wir hier den Hauptgrund für diese Störung nennen: Langeweile. Das kann mehrere Ursachen haben:

  • Langeweile wegen schlechter Haltung
    Da viele Kaninchen noch immer in Käfigen gehalten werden, erklärt sich diese Störung fast von selbst. Das Kaninchen hat den ganzen Tag nichts zu tun. Es fehlen Beschäftigungsmöglichkeiten, Auslauf, Bewegung, Futtersuche, Buddeln und alles, was ein Wildkaninchen noch so tun würde. Käfighaltung ist absolut unnatürlich. Da es vor lauter Langeweile frustriert wird, knabbert es am Käfiggitter. Nicht nur, dass das für die Zähne schlecht ist, sondern es ist laut und nervt den Besitzer. Eine falsche Reaktion wäre das Kaninchen zu ermahnen oder es schlichtweg als dumm zu bezeichnen. Nichts geschieht ohne Grund. Wenn das Kaninchen ein solches Verhalten aufweist, stimmt die Haltung nicht, und daran muss unbedingt etwas geändert werden.
  • Langeweile wegen ungeeigneter Umweltbedingungen
    Kaninchen wollen etwas erleben. Sie sollten daher nicht im letzten Eck eines Zimmers untergebracht sein, sondern viel mehr in Küche oder Wohnzimmer sein, wo sich etwas tut. Sie wollen aber nicht nur zusehen, sondern mitmachen. Sie wollen Teil des Familienlebens sein, beschäftigt werden und jeden Tag etwas Neues erleben, und nicht nur ständig die leere weiße Wand betrachten, in vollkommener Stille. Das kann man als Mensch sicherlich nachvollziehen.
  • Langeweile wegen Einzelhaltung
    Da können noch so viele Sprung- und Buddelmöglichkeiten vorhanden sein. Alleine wird man schnell einsam. So auch Kaninchen. Alles, was in freier Natur getan wird, wird gemeinsam getan: Buddeln, Fressen, Putzen, Schlafen uvm. Kaninchen brauchen mindestens einen Partner, der zu ihnen passt und mit dem sie ihre Erlebnisse teilen können.
  • Gewohnheit
    Bei manchen Kaninchen ist dieses Verhalten schon so selbstverständlich geworden (durch frühere schlechte Haltung, Umwelt, Einzelhaltung etc.), dass sie es sich nur schwer abgewöhnen, selbst wenn alle anderen Bedingungen perfekt sind. Eine Verhaltensstörung ist eben nicht so einfach wegzudenken, ebenso wie sich ein Kettenraucher nur schwer das Rauchen abgewöhnen kann. Es braucht Zeit und Zuwendung um von diesem Problem loszukommen.

Verhaltensprobleme

|| Das Kaninchen ist aggressiv ||

Kaninchen, die immer wieder scheinbar grundlos zubeißen und sichtbar aggressiv sind, haben meist ein großes Problem. Das kann wiederum viele Ursachen haben:

  • Aggression durch Angst
    Da Kaninchen Fluchttiere sind, können sie wegen vieler Dinge verängstigt werden: Durch frühere, schlechte Erfahrung mit dem Menschen, durch Hochheben oder Festhalten, oder wenn sie sich eingeengt fühlen. Manche Kaninchen erstarren aus Angst in ihrer Position, andere beißen dann zu und beginnen zu knurren. Hier ist es wichtig dem Tier zu zeigen, dass es keine Angst haben muss, z.B. durch richtiges Annähern, Hochheben, Halten & Tragen (siehe: Der richtige Umgang) und indem man es nicht bedrängt und ihm immer eine Möglichkeit zur Flucht lässt.
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  • Aggression durch Schmerz
    Hat ein Kaninchen Schmerzen oder ist es krank, zieht es sich entweder komplett zurück, oder reagiert bösartig auf Berührungen und andere Einflüsse. In diesem Fall wird dringend ein Tierarzt benötigt.
  • Aggression durch den Sexualtrieb
    Unkastrierte Tiere können nach einiger Zeit mürrisch und zickig werden, andere recht aggressiv. Durch einen fehlenden Sexualpartner oder zu vielen Hormonen leiden diese Tiere und sollten unbedingt kastriert werden. Befrage hierzu am besten den Tierarzt.

  • Aggression durch Frust
    Ein frustriertes Kaninchen kann sogar Verhaltensstörungen aufweisen (siehe oben). Es kann viele Gründe haben, warum es einem Kaninchen nicht gut geht, z.B. schlechte oder sogar Einzelhaltung, Käfighaltung, Langeweile, uvm. Beißt ein Kaninchen, weil es mit der Gesamtsituation unzufrieden ist, muss sich schnell etwas ändern, bevor es zusätzlich zur Aggressivität noch eine Verhaltensstörung aufweist.

  • Aggression durch Verteidigung
    Manche Kaninchen verteidigen ihr Revier und die Gegenstände darin sehr intensiv, so wird z.B. die menschliche Hand zum Feind, sobald diese versucht die Heuraufe zu befüllen oder das Gehege reinigt. Solche Kaninchen haben zumeist ein Problem mit ihrer Wohnsituation. So bekommen diese z.B. zu wenig Freilauf, werden einzeln gehalten, oder nicht genug beschäftigt. Auch wenn das alles passen sollte, können unkastrierte Rammler oder auch hitzige Weibchen solche Verhaltensweisen aufweisen. Zuerst sollte man alles tun, damit das Kaninchen artgerecht leben kann (ein Partnertier, Gehege vergrößern, nicht einsperren, Buddelkiste und andere Beschäftigungsmöglichkeiten), dann sollte sich das schnell bessern. Das Kaninchen muss die menschliche Anwesenheit mit etwas Gutem verbinden, also reiche ihm bei jedem Besuch ein Leckerchen. Sollte das nichts nützen, musst du ihm zeigen, wer der Boss im Haus ist. Berührt man das Kaninchen mit der Fingerspitze an der Stirn und drückt es leicht zu Boden, versteht es, dass der Mensch das ranghöchste Tier im Haus ist, und nicht es selbst.
  • Aggression durch Unmutsstimmung
    Wenn das Kaninchen gerade keine Lust zum Spielen, Streicheln oder Kuscheln hat, stupst es die menschliche Hand mit der Nase weg. Wenn man dann nicht locker lässt, kann das Tier schon mal zubeißen. Wichtig ist, dass man die Tiere in Ruhe lässt, wenn sie das möchten, und sie nicht zu etwas zwingt. Wenn dieses Verhalten jedoch öfters unbegründet auftritt, kann man dem Kaninchen auch zeigen, wer der Ranghöchste ist, indem man leicht mit den Fingerspitzen seine Stirn und somit seinen Kopf zu Boden drückt. Dadurch versteht es, dass es unterlegen ist.
  • Aggression durch Gewohnheit
    Das Kaninchen hat gelernt, dass es durch Beißen das bekommt, was es will, z.B. wenn es gerade nicht berührt werden wollte, und die menschliche Hand gebissen hat, diese dann natürlich verschwunden ist, und das Kaninchen in Ruhe gelassen wurde. Damit das Kaninchen sich das schnell wieder abgewöhnt, ist es wichtig, seinem Willen nicht mehr nachzugeben (natürlich nicht festhalten oder ähnliches). Wenn es beißen sollte, wird dieses Mal die Hand nicht mehr weggezogen (Handschuhe verwenden) oder man berührt es mit einer Bürste oder einem Stofftier. Auch wenn es zubeißt, wird nicht nachgegeben. Das Kaninchen ist dann sicherlich irritiert. Wenn man das öfter wiederholt, kann man es bald wieder normal angreifen, ohne dass es gleich zubeißt. Auch durch leichtes zu Boden drücken des Kopfes kann helfen.
  • Aggression aus Versehen
    Manchmal beißt das Kaninchen in die Hand, wenn es gefüttert wird und das Futter mit der Hand verwechselt hat. Eventuell war es zu gierig. Auch wenn man das Kaninchen bei der Vergesellschaftung stört indem man eingreift, kann das Kaninchen schon mal zubeißen, da es durch die ganze Aufregung den Menschen vom „bösen“ anderen Kaninchen nicht unterscheidet.

 

|| Das Kaninchen ist sehr unrein ||

  • Das Kaninchen ist nicht stubenrein
    Manche Kaninchen werden leider nie richtig stubenrein. Anderen kann man versuchen es ihnen anzutrainieren (siehe: Stubenreinheit). Andererseits darf man nicht vergessen, dass das Markieren mittels Kot ein natürliches Verhalten ist, durch das die Kaninchen ihr Revier eingrenzen. Vor allem wenn sie etwas ungewohntes riechen z.B. andere Kaninchen oder Tiere, kann es vorkommen, dass sie ihr Revier sehr deutlich markieren.

  • Das Kaninchen schaufelt die Einstreu aus der Toilette
    Buddeln gehört zum Lebensstil der Kaninchen dazu, weshalb in jeder Haltung eine Buddelkiste, Sandkiste oder andere Buddelmöglichkeit zur Verfügung stehen muss. Spielsand oder ungedüngte Blumenerde ist viel leichter zu buddeln als schwere Holzpellets, die man in die Toilette geben kann, damit sie hier nicht mehr graben. Wenn das Kaninchen beginnt zu buddeln, kann man es auch vorsichtig in die Buddelkiste setzen. Es sollte schnell verstehen, dass es dort viel besser und schöner zu graben ist, als in der Toilette. 

  • Das Kaninchen pinkelt in den Futternapf
    Gerade wenn ein Napf im Käfig steht, neben der Heuraufe z.B., ist es ganz normal, dass dort viel Kot abgesetzt wird. In diesem Fall sollte die Schüssel wo anders aufgestellt werden. Es kann aber auch sein, dass das Kaninchen nur seine wichtigsten Gegenstände markieren möchte, da das Futter und somit auch der Napf ganz besonders wichtig ist. Man kann auch komplett auf Näpfe verzichten (ausgenommen Wasser).

  • Das Kaninchen frisst Kot
    Kaninchen fressen ihren eigenen Blinddarmkot, das ist völlig normal und sogar notwendig und gesund für das Tier. Dieser Kot unterscheidet sich vom normalen Kot (siehe: Gesundheit und Krankheit) und sieht weich und glänzend aus. Sollte das Tier zu viel von diesem Kot produzieren und ihn nicht mehr fressen, sollte ein Tierarzt besucht werden.