Nachwuchs


Vorwort – einmal kleine Kaninchenbabys haben

Eigene Kaninchenbabys – Freude oder Leid?

Der Wunsch vieler Kaninchenhalter ist es zumindest einmal zu erleben, wie die eigenen Kaninchen Babys bekommen und zu sehen, wie diese niedlichen kleinen Wesen aufwachsen, lernen und erwachsen werden. Was so schön klingt, ist bei Kaninchen jedoch leider nicht ganz so einfach. Es gibt viele Gründe, warum wir von der Vermehrung der eigenen Kaninchen unbedingt abraten möchten.

Hier gibt es einen Erfahrungsbericht über dieses Thema, welcher zeigt, was Kaninchennachwuchs so alles mit sich bringt.

Warum wir gegen Kaninchennachwuchs im eigenen Haushalt sind

Diverse Behinderungen

Fehlstellungen

1.) Behinderung der Kaninchenbabys
Durch die Zucht von Kaninchen werden unzählig viele Erbinformationen der Elterntiere an ihren Nachwuchs weitergegeben. Wer kein qualifizierter Züchter ist und sich mit der hoch komplexen Thematik der Genetik nicht auskennt, riskiert Erbkrankheiten, Behinderungen und andere Erkrankungen der Kaninchenbabys wie Zahn- oder Gelenksfehlstellungen, Immunschwächen und vieles mehr, was dem Nachwuchs Leid, Schmerzen und einen frühen Tod einbringen kann. Genetische Anomalien können aber auch erst im Erwachsenenalter auftreten, betroffene Tiere können dann beispielsweise ihre Beine nicht mehr bewegen. Obwohl die Elterntiere keine Geschwister bzw. kerngesund sind, treten diese Phänomene leider sehr häufig auf. Was also mit einem harmlosen Wunsch nach Kaninchenbabys beginnt, endet oftmals in großem Tierleid.

2.) Stress für das Muttertier
Der ganze Ablauf der Schwangerschaft bedeutet für die Kaninchenmutter puren Stress. Sie muss ggf. separat in einem Gehege untergebracht werden, in dem sie ihr Nest bauen kann und sie trotzdem noch viel Platz hat. In der Natur würde sie das Nest verschließen und sich weit davon entfernen, was bei uns zuhause nur begrenzt möglich ist. Der fehlende Raum stresst sie zusätzlich. Wenn sie von ihrer Kaninchengruppe getrennt wird, was aber oft notwendig ist, kann die Wiedereingliederung nach der Geburt sehr schwierig werden.

3.) Tod des Weibchens oder der Babys
Gerade junge oder bereits ältere Weibchen haben häufiger Probleme bei der Geburt. Das Becken kann entweder noch zu eng oder nicht mehr ausreichend dehnungsfähig sein, was zu Komplikationen und großen Schmerzen für das Tier führen kann. Da Kaninchen Fluchttiere sind und sich deshalb keine Schmerzen anmerken lassen wollen, kann es sein, dass das Kaninchen völlig unerwartet stirbt, weil der Mensch diese Tatsache nicht rechtzeitig bemerkt hat. Viele Halter haben dadurch schon ihr Tier verloren. Auch die Kleinen können unerwartet versterben. Oftmals kann man als tierliebender Mensch mit einem solchen Verlust nur schwer umgehen.

Eine Handaufzucht ist oft nicht schaffbar.

4.) Handaufzucht
Wenn die Mutter stirbt, müssen die Babys mit der Hand aufgezogen werden, was leider nicht immer gelingt. Alle 4 Stunden müssen diese gefüttert und massiert werden, das hat für den Halter viele schlaflose Nächte zur Folge und bedeutet einen erheblichen Zeitaufwand und Durchhaltevermögen. Trotz aller Versuche kann der Mensch das Muttertier leider nicht ersetzen, daher können auch gut gepäppelte Kaninchenbabys plötzlich versterben.

5.) Kostenfaktor
Die werdende Mutter sowie auch der restliche Teil der bereits bestehenden Kaninchengruppe benötigt jetzt mehr Platz, was meist eine erhebliche Vergrößerung des aktuellen Geheges zur Folge hat. Auch wenn die Tiere getrennt werden müssen, müssen in allen Gehegen genügend Versteckmöglichkeiten, Näpfe, Heuraufen etc. stehen. Falls die Geburt nicht einwandfrei verläuft, kommen teils sehr hohe Tierarztkosten hinzu. Alle männlichen Kaninchenkinder müssen möglichst zeitnah kastriert werden, was bei 4-6 Tieren sehr teuer kommt. Wenn die Kleinen vielleicht nicht so schnell ein  passendes neues Zuhause finden, erhöhen sich hier natürlich auch Kosten für Haltung, Fütterung etc.

6.) Angebot und Nachfrage
In den österreichischen Tierheimen warten unzählige Kaninchen oft jahrelang auf ein neues artgerechtes Zuhause. Auch Privatpersonen vermitteln ihre Tiere aufgrund von Allergien, Umzug, Platzmangel etc. Unser Motto lautet daher: Solange es so viele Kaninchen gibt, die aus den verschiedensten Gründen ein neues Zuhause brauchen, sollte man keine neuen Kaninchen in die Welt setzen. Jedes Kaninchen hat eine zweite Chance verdient.

Wenn man sich trotzdem für junge Kaninchen entscheiden will: Im Tierheim landen auch immer wieder trächtige Kaninchendamen, deren Nachwuchs dann adoptiert werden möchte.

Die Kaninchenbabys sind schon da

Falls Sie der Storch bereits mit einem unerwarteten Wurf Kaninchenbabys überrascht hat, bedenken Sie bitte alle oben angeführten Punkte bezüglich Platzbedarf, mögliches Agressionsverhalten der erwachsenen Kaninchen, regelmäßige Gesundheitskontrolle und natürlich die sofortige Kastration des Männchens, damit dieser die Häsin nicht erneut decken kann, falls das nicht bereits geschehen ist. Denken Sie auch an die Frühkastration der Kaninchenbabys (–> Geschlecht & Kastration)!

Sie müssen die Kleinen mit der Hand aufziehen? Bitte klicken Sie hier für einen detaillierten Bericht und die korrekte Vorgehensweise!