Gemeinsam statt einsam

Kaninchen sind sehr soziale Tiere und dürfen deshalb niemals alleine gehalten werden. Jedes Kaninchen braucht zumindest einen Partner, der zu ihm passt.

Niemand, weder Mensch noch Meerschweinchen, kann ein Partnerkaninchen ersetzen. Warum?

Kaninchen leben in freier Natur in Verbänden von mehreren Tieren zusammen. Sie sind ihr Leben lang mit Graben von Höhlen, Futtersuche, Rangordnungskämpfen, Paarung, Aufzucht der Jungen, Überwachung und Verteidigung der Umgebung und vielen weiteren gemeinsamen Tätigkeiten beschäftigt. Diese Zusammengehörigkeit ist für das Überleben und das Wohlbefinden eines Kaninchens absolut notwendig. Nichts davon kann erfüllt werden, wenn das Tier einzeln gehalten wird.

In Österreich ist die Einzelhaltung von Kaninchen bereits gesetzlich verboten:

„Wer ein Tier hält, hat dafür zu sorgen, dass […] die Möglichkeit zu Sozialkontakt unter Berücksichtigung der Art, des Alters und des Grades der Entwicklung, Anpassung und Domestikation der Tiere ihren physiologischen und ethologischen Bedürfnissen angemessen sind.“
Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG)§ 13, Abs. 2, TschG.

Ein Mensch kann ein Partnerkaninchen nicht ersetzen. Wir beschäftigen uns weder 24 Stunden am Tag mit unserem Kaninchen, noch können wir seine Sprache sprechen. Auch wenn wir uns stundenlang intensiv mit dem Kaninchen auseinandersetzen, mit ihm spielen und es streicheln – sobald wir weg sind, ist das Kaninchen stundenlang alleine und ist einsam.
Auch Meerschweinchen, so wie es in Zoohandlungen oft versichert wird, sind kein Ersatz. Es ist zwar erwiesen, dass sich Kaninchen und Meerschweinchen miteinander vertragen (können) und es kann vorkommen, dass zusammen gefressen oder gekuschelt wird, trotzdem können sie sich nicht untereinander verständigen, da sie jeweils einer völlig anderen Tiergattung angehören. 

Kaninchen können durch Einzelhaltung sogar Verhaltensstörungen aufweisen. Durch die fehlende Beschäftigung entsteht extreme Langeweile. Das Kaninchen beginnt z.B. am Gitter zu nagen, am ungesunden Salzstein zu lecken, übermäßig viel zu fressen, weil es ja sonst nichts zu tun hat.

Deshalb ist die Einzelhaltung von Kaninchen Tierquälerei.

„Wir sind ein Herz und eine Seele, und wollen für immer zusammen bleiben.“

Oft hört man von Menschen, die nur ein Kaninchen halten, Aussagen wie:

– „Mein Kaninchen verträgt sich nicht mit anderen Kaninchen.“
Woher wollen die Besitzer das wissen? Eine Kaninchenvergesellschaftung, also Zusammengewöhnung von zwei Kaninchen, fällt oft sehr stürmisch aus. Die Kaninchen jagen sich hinterher und versuchen vielleicht sogar sich zu beißen. Das alles dient aber lediglich der Klärung der Rangordnung (siehe auch: Partnerwahl & Vergesellschaftung) und hat nichts mit Unverträglichkeit zu tun.

– „Mein Kaninchen ist aggressiv.“
Projizieren wir das mal auf uns Menschen: Wenn wir ewig lang allein gewesen wären und bereits das „normale“ Verhalten gegenüber Mitmenschen verlernt hätten – könnte es nicht sein, dass wir dann auch aggressiv wären? Im Allgemeinen sind Kaninchen nur dann aggressiv, wenn ihnen etwas Wichtiges nicht passt, oder sie Schmerzen haben. Alles keine Ausreden für eine Einzelhaltung.

– „Ich habe nur Platz/Zeit für ein Kaninchen.“
So etwas muss man sich überlegen, bevor man sich ein Kaninchen anschafft. Kaninchen sind soziale Tiere. Wenn man wenig Zeit hat, und sich für ein einziges Tier entscheiden will, sollte man einen Hamster wählen.

– „Das Partnertier ist verstorben, ich will aber kein weiteres Kaninchen nehmen.“
Natürlich geht die Kaninchenhaltung immer weiter, wenn eines der Tiere stirbt und man einen neuen Partner für das verbliebene Tier braucht. Trotzdem sollte man nicht nur an sich selbst denken, sondern an das Wohl des Tieres, das sich nur in Kaninchengesellschaft wohl fühlen kann. Dem Tier zuliebe sollte man entweder ein neues Kaninchen dazuholen, oder das Kaninchen an eine passende Stelle vermitteln.

– „Mein Kaninchen sieht alleine glücklich aus.“
Natürlich wirkt das Tier interessiert und gesund, sobald man sich mit ihm beschäftigt. Doch denk einmal an die vielen Stunden (z.B. nachts, während der Arbeitszeit etc.) in der das Tier ganz alleine ist. Ohne Partner kann ein Kaninchen sogar Depressionen entwickeln, da es keine sinnvolle Beschäftigung findet.

– „Das Kaninchen wird zutraulicher, wenn es alleine gehalten wird.“
Falsch! Ein Kaninchen kann gegenüber dem Menschen zutraulich werden, aber nur weil es nicht weiß wie es sonst seine sozialen Bedürfnisse (Körperkontakt) befriedigen kann. Das ist mehr eine Notsituation, als wirkliche Zuneigung. Kaninchen werden auch zu zweit oder dritt zutraulich, wenn man sich genug und richtig mit ihnen beschäftigt.

Egal mit welcher Ausrede jemand argumentiert: Im Wohle des Tieres ist es ist wichtig ihm/ihr klar zu machen, dass Kaninchen nur mit einem Partnertier richtig glücklich werden können.

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