Ernährung

  • Gesunde und geeignete Futtermittel
  • Ungesunde und nicht geeignete Futtermittel

In fast allen Tierhandlungen wird unterschiedliches Kaninchenfutter angeboten. Dass vieles, manchmal sogar alles davon völlig ungeeignet für Kaninchen ist, ist vielen Menschen nicht bewusst. Im Folgenden möchte ich über eine artgerechte Ernährung von Kaninchen aufklären.


Gesunde und geeignete Futtermittel

Diese Futterpyramide zeigt ganz allgemein auf, was eine gesunde Fütterung beinhaltet.

futterpyramide

Frisches aus der Natur

Idealerweise besteht das Grundfutter und somit der Hauptbestandteil der Kaninchenfütterung aus frischem Gras, Wiese, Blättern und Zweigen, und jeder Menge Löwenzahn. Das alles ist die wesentliche Substanz der Ernährung von Wildkaninchen, und deshalb für unsere Haustiere ebenso gesund und wichtig. Im Sommer sollten Kaninchen so viel Wiese wie möglich zu Gesicht bekommen, sie dürfen sich am Gras richtig sattfressen. Und das Beste daran: Wiese ist gratis!

Baumzweige können komplett verfüttert werden: Sowohl die Rinde, als auch Knospen, Blüten, Blätter und Früchte können den Kaninchen angeboten werden. Besonders beliebt ist bei ihnen das Entrinden und Abnagen der Zweige, was gleichzeitig eine wunderbare Beschäftigung für die Tiere ist.

Im Herbst und Winter darf auch Laub gefüttert werden. Außerdem kann man Samen in einen Topf mit Erde streuen, gießen und warten, bis die Körner keimen. Sehr zu empfehlen ist das „JR Farm Keimfutter“, das es fast überall zu kaufen gibt. Sobald das Grün hoch genug gewachsen ist, kann man es den Kaninchen uneingeschränkt zur Verfügung stellen.

Heu & Kräuter

Ebenso wichtig sind getrocknete Kräuter und frisches Heu, welches permanent zur Verfügung stehen muss. Hochwertiges Heu erkennt man an der grünen Farbe, am guten Geruch und an der Trockenheit. Es darf nicht stauben oder zu ausgetrocknet sein. Da Kaninchen wahre Feinschmecker sind, suchen sie sich die beste Heu-Marke am liebsten selbst aus.

Heu sollte in großen Mengen und immer im Kaninchengehege vorhanden sein. Es ist nicht nur gesund sondern fördert auch den Zahnabrieb. Da Kaninchen beim Fressen sehr viel Kot verlieren, ist es von Vorteil, wenn man das Heu in einer etwas erhöhten Position bereitstellt. Heuraufen gibt es in stehenden als auch in hängenden Varianten.

Trockenkräutermischungen (z.B. auch vermischt mit Trockengemüse) gibt es im Handel zu kaufen, diese sind besonders schmackhaft wesentlich für die Kaninchenernährung. Getrocknete Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich oder Petersiliestiele sind bei vielen Kaninchen besonders geliebt. Empfehlenswert ist die Marke „JR Farm“, die ausschließlich getreidefreie Produkte bereitstellt.

Gemüse

Da sich Kaninchen vegetarisch ernähren, sollte täglich Gemüse gefüttert werden.
Hier listen wir euch einige gut verträgliche Gemüsesorten auf:

gemüsesorten

Alle Kohlarten müssen langsam angefüttert werden. Mangold und Rote Beete eher weniger füttern. Kürbis und Zucchini wird meist nicht gefressen. Auch Mais und Maisblätter (eher wenig), Vogerlsalat sowie Eisbergsalat können verfüttert werden.

Damit die Verdauung unserer Kaninchen nicht überlastet wird, wenn nur einmal am Tag Gemüse verdaut wird, ist es ratsam zumindest 2x am Tag Gemüse zu füttern, besser jedoch wäre natürlich mehrmals täglich, sofern dies möglich ist. Küchenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Basilikum und Oregano werden auch sehr gerne gefuttert.

Wenn eine neue Gemüsesorte gefüttert werden soll, müssen die Kaninchen langsam daran gewöhnt werden, da sie eine sehr empfindliche Verdauung haben. Zuerst nur eine kleine Portion und dann jeden Tag etwas mehr – so gewöhnt man Kaninchen an eine neue Fütterung.

Obst

Auch Obst sollte hin und wieder angeboten werden:

Äpfel, Weintrauben, Erdbeeren usw. sind die Klassiker, die bedenkenlos angeboten werden können.
Bananen, Kirschen, Preiselbeeren und Co. sollten eher in geringen Mengen verfüttert werden.

Genau wie Gemüse und Wiesenkräuter enthält auch Obst Zucker, solange man die Kaninchen aber nicht mit Obst überfüttert, muss man sich keine Gedanken machen. Obst kann z.B. auch als Snack oder zur Belohnung gereicht werden.

Wasser

Obwohl viele Kaninchen nur wenig trinken, muss frisches Wasser immer zur Verfügung stehen. In Österreich kann man Leitungswasser verwenden, auch stilles Mineralwasser (also ohne Kohlensäure) kann man anbieten. Die Wassernäpfe sollten aus Keramik oder Ton sein, damit sie nicht so leicht umgestoßen werden können, und auf einer erhöhten Position aufgestellt werden, damit diese nicht mit Einstreu beschmutzt werden. Nippel-Tränken sind hingegen nicht geeignet! Aus ihnen kommt das Wasser nur tropfenweise und das Kaninchen muss zum Trinken eine unnatürliche, unangenehme Körperhaltung einnehmen.

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Für Zwischendurch oder als Belohnung dürfen Kaninchen auch Erbsenflocken, Karotten- oder Bananenchips und dergleichen bekommen. Das sind Gemüse und Obst in getrockneter und gepresster Form, ohne Zusätze von Zucker oder ähnlichem. Dennoch sollten sie nur in geringen Mengen gefüttert werden. Die meisten Kaninchen sind ganz wild auf diese Köstlichkeiten 🙂

Futterplan

Idealerweise bekommen Kaninchen viel frisches Grün von der Wiese. Wenn das kaum oder gar nicht möglich ist, muss viel Gemüse verfüttert werden, zumindest 2x täglich (z.B. morgens und abends) sollte Gemüse gereicht werden. Tipp: Kaninchen lieben Abwechslung, biete ihnen daher am besten immer unterschiedliche Gemüsesorten an. Heu muss immer und ausreichend zur Verfügung stehen. Obst und Trockenkräuter kommen ebenfalls regelmäßig in den Napf. Zu guter Letzt muss immer wieder kontrolliert werden, ob noch genug Wasser im Wassernapf vorhanden ist.
Achtung Vorurteil: Für eine ausgewogene und gesunde Ernährung benötigen Kaninchen (anders als Zoohändler oder Züchter oft versichern) KEINE Futterpellets (siehe unten).

Umgewöhnung

Eine Futterumgewöhnung, z.B. von Trockenfutter auf Heu und Gemüse, darf niemals plötzlich passieren. Kaninchen haben eine sehr empfindliche Verdauung, ein plötzlicher Umstieg kann lebensgefährlich sein. Die Umgewöhnung sollte daher immer sehr langsam stattfinden, indem man jeden Tag etwas weniger Trockenfutter und dafür etwas mehr Frisches anbietet. Auch neue Gemüse- und Obstsorten sollten immer zuerst in geringen Mengen angeboten werden.

Die wirklich beste Fütterung

Wenn man es ganz streng sieht, kann eine zu 100% artgerechte Ernährung nur dann gewährleistet werden, wenn die Kaninchen im Freien leben und somit selbst rund um die Uhr Wiese abgrasen können, sie so oft es geht Wildkräuter, Löwenzahn und dgl. erhalten, Heu in Form eines riesigen Berges im Gehege liegt, und uneingeschränkt Gemüse gereicht wird, sodass dieses nie ausgeht. Da wir diese Tiere jedoch auch bei uns Zuhause bzw. auch in Wohnungen halten wollen, muss eben auch die Fütterung angepasst werden. Oftmals sollte man sich auch überlegen, wie es ein Kaninchen anderswo hätte. Ob bei anderen Personen wohl genau so intensiv auf die Fütterung geachtet wird? Da wir mit Sicherheit sagen können, dass dies nicht überall der Fall ist, können wir beruhigen: Solange jederzeit Heu zur Verfügung steht, und viel Frisches und Gemüse gereicht wird, leben die Kaninchen auch bei uns zuhause in sehr guten Verhältnissen.
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Ungesunde und nicht geeignete Futtermittel

Ungeeignete Futtermischungen und Pellets

Fertigfutter ist leider sehr ungesund.

In fast allen Zoohandlungen werden angeblich „gesunde“ und „lebenswichtige“ Futtermischungen angeboten. Pellets und Trockenfutter mit angeblich so vielen Vitaminen und Nährstoffen.

Doch was steckt in diesen Fertigfutter Mischungen, die so bunt und appetitlich aussehen?

Schon alleine wenn man sich den Inhalt einer solchen Packung auf der Rückseite durchliest, wird einem klar: So etwas kann unmöglich zur Gesundheit eines Kaninchens beitragen. Eine gewöhnliche Futtermischung aus der Tierhandlung enthält pflanzliche Nebenerzeugnisse (Baumwolle, Kleber, Schalen,…), Zusatzstoffe (die nicht näher erläutert werden), künstliche Farbstoffe, jede Menge Fette und Öle, künstliche Aromen, viel fettmachendes Getreide und zu viel Zucker. Der Gemüseanteil in solchen Packungen ist hingegen erschreckend gering. All diese Inhaltsstoffe können bei dauerhafter Fütterung zu Verdauungsproblemen, Übergewicht und Verfettung führen. Als Mensch könnte man das in etwa so vergleichen, als wenn man sich täglich beinahe ausschließlich von Süßigkeiten ernähren würde. Gesund kann das auf gar keinen Fall sein.

Pellets sind ebenfalls nicht zu empfehlen. Es besteht die Gefahr, dass diese unzerkaut verschluckt werden.

Selbsthergestelltes, getreidefreies Futter, welches man dazu mit Trockenkräutern und Trockengemüse vermischen kann, kann man aber zum Glück auch kaufen. Als gutes Beispiel kann ich die Marke „JR Farm“ nennen. Auf der Verpackung sind ausschließlich getreidefreie Zutaten ohne Nebenstoffe angeführt. „Hagenthalhase“ in Niederösterreich stellt ebenfalls getreidefreies Futter her.

Prinzipiell ist Trockenfutter in Form von Pellets nicht notwendig. Wenn das Tier allerdings sehr abgemagert ist und zunehmen soll, ist eine Futtermischung eine gute Möglichkeit, damit das Kaninchen zunehmen kann. Frage aber lieber vorher den Tierarzt.

Knabberstangen, Drops und Co.

Ganz schlecht: „Knabberringe“

Kräcker beinhalten viel zu viel Zucker.

Im Laden erhältlich: Knabberstangen, Drops, Vitaminriegel, Waffeln und vieles mehr. Durch den hohen Zuckergehalt sind diese Dinge ebenfalls absolut ungeeignet und können schnell zu Krankheiten und zu Übergewicht führen. Lass dich von gierigen Kaninchen nicht täuschen: Natürlich werden solche Dinge sofort verschlungen, gesund sind sie jedoch leider nicht.
Auch hier gibt es eine Alternative: Selbst hergestellte, getreidefreie Knabberstangen (zB. von Steppenlemming) sind natürlich und können unseren Kaninchen bedenkenlos angeboten werden. Es zahlt sich wirklich aus die Inhaltsstoffe auf der Rückseite der Verpackung durchzulesen!

Brot

Nicht gut verdaulich: Brot

Zu Großmutters Zeiten gab man den Kaninchen immer wieder ein Stück hartes Brot, ein „Scherzl“ auf gut österreichisch. „Das ist gut für die Zähne“, erklärte man uns damals. Dass das allerdings absolut falsch ist, hätte damals wohl keiner gedacht. Denn das harte Brot wird im Maul des Tieres sofort wieder weich, wenn es dann auch noch unzerkaut verschluckt wird, kann es Verdauungsprobleme hervorrufen und dem Zahnabrieb nicht nutzen. Lieber sollte man den Kaninchen Äste und Zweige anbieten, auf denen sie liebend gerne herumknabbern.

Salzlecksteine

Salzlecksteine sind völlig überflüssig.

Solche Steine führen dem Kaninchen viel zu viele Mineralien zu, sodass es sogar krank werden kann. Wenn sich ein Kaninchen normal, ausgewogen und gesund ernährt, werden diese Steine überhaupt nicht benötigt.